Manfred Podzkiewitz


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Ahnenforschung in Ostpreußen


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Wer nach seinen Vorfahren in Ostpreußen sucht, steht in der Regel vor einer Menge Probleme. Nicht nur das Ostpreußen weit entfernt liegt, um einfach mal dort rüber zu fahren, heute zu anderen Staaten gehört, dort durch die Vertreibung der Deutschen heute vollkommen andere Sprachen gesprochen werden; nein – als wenn das noch nicht genug wäre, tauchen noch weitere Unwägbarkeiten auf, die es zu umschiffen gilt.

Die Ortsnamen

Bekanntermaßen haben die neuen Herren Ostpreußens nach 1945 alle deutschen Ortsnamen entfernt und den Ortschaften andere Namen aus ihren Sprachen gegeben. Dabei hat man sich im Süden Ostpreußens meist darauf verlegt alte masurische oder preußische Ortsnamen zu polonisieren, im nördlichen Teil hat man einfach Namen erfunden, die keinerlei historischen Bezug haben.

Und als wenn das nicht genug Verwirrung stiften würde, auch vor 1945 wurden Ortsnamen geändert. Einmal von der NS-Diktatur ab 1933, weil denen viele altpreußische, masurische oder litauische Ortsnamen nicht „deutsch genug“ klangen, aber auch schon vorher, weil sich die Bürgerschaft dafür ausgesprochen hatte oder die Verwaltung, um einen umgangssprachlich genutzten Ortsnamen in eine korrekte Schriftform zu überführen.

Die Familiennamen

Nicht nur das während der NS-Zeit nicht wenige versuchten ihren Nachnamen zu „arisieren“, sprich "einzudeutschen", um vermeintliche oder tatsächliche Nachteile abzuwenden und es so zu Namensänderungen kam sondern auch durch pure Schreibfehler in Kirchenbüchern und Standesamtsunterlagen begegnen uns viele Namen in unterschiedlichster Schreibweise, obwohl es sich dabei um die gleiche Person oder Familie handelt.

Um das einmal zu verdeutlichen, so begegnet uns der Name Tischkewitz, auch als Tischkiewitz, Tiszkewitz, Tichkewitz, als Tiszkowitz und Tiszkiewicz. Der Name Puttkammer auch als Potkamer, oder Podtkammer. Von vielen Namen gibt es unzählige Variationen, oft aus dem gleichen Ort zur gleichen Zeit. Und selbst bei deutsch klingenden Namen war man nicht sicher, ob der Schreiber jetzt Artmann oder Hartmann verstand und niederschrieb.

Besonders Daten aus dem 19. Jahrhundert (und früher) sind anfällig für solche Schreibfehler, da die Schreiber das notierten, was Sie eben hörten und die Behördenbediensteten das aufschrieben, was ihnen der vielleicht des Schreibens Unkundige sagte, der dort die Geburt seines Kindes anzeigen wollte. Je nachdem wo man lebte und wer der Schreiber war, konnte man so ungesehen plötzlich auch zu einem eingedeutschten oder polonisierten Namen kommen, wenn man nicht aufpasste. Also kann man nur raten, auch nach abweichenden Schreibweisen des eigenen Familiennamens zu suchen, um in Datenbanken doch noch fündig zu werden.

Die Archivdaten

Wenn Sie auf einen Kirchenbuch- oder Standesamtseintrag stoßen, so werden Sie feststellen, dass es sich hier um die damals gebräuchliche Schreibschrift handelt, entweder in altdeutscher Schrift oder Sütterlin oder wie  der jeweilige Schreiber gerade in der Lage war zu schreiben. Um das zu verdeutlichen, nachfolgend ein noch vergleichsweise gut lesbarer Auszug aus einem Geburtsregister Ende des 19. Jahrhunderts.




Datenbanken und Archive

Während es im Westen Deutschlands relativ einfach ist, Einsichtnahme in ein Register zu bekommen, so sieht es für viele Gemeinden in Ostpreußen recht mau aus. Nicht nur, dass man – sofern die Daten noch nicht in einem im Internet zugänglichen digitalisierten Archiv lagern, man sich an eine fremdsprachige Behörde wenden muß, bzw. eine fremdsprachige Seite aufrufen muß. Nein – „der Teufel“ liegt oft genug wieder im Detail. In den Wirren des Kriegsendes sind viele Archive durch Bombardierung komplett zerstört worden, sind durch Brände vernichtet oder sonstwie verloren gegangen. So kann es durchaus sein, dass es für den gesuchten Zeitraum und Ort überhaupt keine Daten mehr gibt.

Doch da sollte man nicht gleich aufgeben, denn da unsere Vorfahren, sofern Sie nicht auf eigener Scholle lebten, durch ständig wechselnde Arbeitsstätten sehr mobil sein mußten, lohnt sich oft auch der Blick in das Kirchenbuch der Nachbargemeinde oder und den Ortschaften, wo die Eltern von Braut und Bräutigam oder sonstige Verwandte lebten. So finden sich vielfach auch dort Einträge, mit denen man eigentlich nicht gerechnet hat.

Ein Beispiel: Mein Ur-Ur-Großvater lebte in Orlen und Rößel. Für den entsprechenden Zeitpunkt gibt es aber keine Kirchenbücher mehr. Da er einmal ins Krankenhaus mußte, und seine Frau somit alleine und erneut schwanger war, ging Sie zur Niederkunft zu ihren Eltern nach Rastenburg. Und siehe da, hier findet sich dann die Geburt einer Tochter im Rastenburger Kirchenbuch.

Fazit:

Das zuvor Geschriebene soll Sie nicht davon abhalten nach ihren Vorfahren in Ostpreußen zu suchen sondern Sie nur darüber informieren, auf was Sie ggf. bei der Suche zu achten haben.

Gehen Sie für den Einstieg am Besten folgendermaßen vor.

Suchen Sie das Kirchspiel oder Standesamt heraus, wo ihr Vorfahre lebte. Wenn Sie nur den von ihren Großeltern übermittelten Namen des Ortes kennen, suchen Sie im Internet (z.B. bei den jeweiligen Kreisgemeinschaften oder Wikipedia) den Namen des Ortes zum Suchzeitpunkt (bzw. Jahr) heraus. Die für den Kreis Lyck vorrätigen Kirchenbuchdaten, können Sie auf der Seite Kirchspiele im Kreis Lyck nachschlagen.

Weiters hilfreich sind die Internetseiten der ostpreußischen Kreisgemeinschaften. Diese halten oft Ortspläne und Einwohnerlisten auch online vorrätig, auf denen die vor 1945 dort lebenden Einwohner verzeichnet sind sowie Telefonbücher aus damaliger Zeit. Meist findet man dort neben dem Namen auch noch die Berufsbezeichnung des Vorfahren. Der Nachteil, nur die Haushaltsvorstände tauchen dort auf.

Auch empfehlenswert: Der Index des Vereins für Familienforschung in Ost- und Westpreußen (VFFOW), wo Sie unter Eingabe des Nachnamens direkt diverse Datenbanken mit über 800.000 Einträgen abfragen können.

Ebenfalls eine gute Quelle sind die digitalisierten Bestände des Allensteiner Archivs. Hier finden sich viele Kirchenbücher, Standesamtsunterlagen und sonstige Dokumente zu vielen Gemeinden Ostpreußens. Im Auswahlfeld "Nazwa Oryginalna" sind die Bestände in deutscher Bezeichnung aufgeführt und lassen sich direkt (Button "Szukaj" für Suche drücken) auflisten. Im Ergebnisfeld reicht dann ein Klick auf Signatur (ganz links) um den entsprechenden Datensatz als Scan aufzurufen. In Polen besteht eine 100-jährige Sperrfrist, so daß dieses Archiv nur Daten vor 1918 veröffentlicht.

Die beiden größten Archive Deutschlands mit Beständen aus den ehemaligen Ostgebieten, sind das Evangelische Zentralarchiv in Berlin und das Sächsische Staatsarchiv in Leipzig. Hier kann man zunächst einmal nachsehen, ob für den gewünschten Ort und das gesuchte Jahr ein digitalisiertes Kirchenbuch vorliegt und dann weitere Schritte unternehmen. Je nach Ort, finden sich dort Kirchenbücher von 1560 bis 1944.

Mit dem Internet-Portal Archion stehen mittlerweile auch viele evangelische Kirchenbücher aus ganz Deutschland online zur Ansicht und zum Download. Darunter auch die Bücher des Evangelischen Zentralarchivs für die Kirchengemeinden in West- und Ostpreußen, Pommern und Schlesien. Das Angebot ist kostenpflichtig, mit 19,90 Euro für einen Monatszugang aber erschwinglich.

War der gesuchte Vorfahr Soldat im Ersten oder Zweiten Weltkrieg und ist dort gefallen, finden Sie in der Gräbersuche des Volksbundes möglicherweise einen Eintrag zum Gesuchten. Mit viel Glück nicht nur Todesdatum und -Ort sondern auch Geburtsdatum und Geburtsort.

Damit dürfte ein erster Einstieg und vielleicht schon der ein oder andere Sucherfolg gelingen.

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