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manfred podzkiewitz

Archiv - Geschichte der Stadt Lyck


Lyck war Verwaltungssitz des gleichnamigen preußischen Landkreises, der von 1818 bis 1945 bestand hatte. Die Geschichte der Stadt ist urkundlich seit 1398 bezeugt, als Ulrich von Jungingen (damals Hochmeister des Deutschen Ordens) auf der späteren Schloßinsel ein "festes Haus" errichten ließ. Wie Ausgrabungsfunde belegen, muß sich aber bereits vorher im Stadtgebiet eine Siedlung der altpreußischen Sudauer befunden haben. Mit dem festen Haus entstand drumherum eine dörfliche Siedlung, die kurze Zeit später das Dorfprivileg innehatte, welches 1425 von Hochmeister Paul von Rusdorf verliehen wurde. Man gab der Siedlung den Namen "Zur Lycke".

 
Blick von der ehemaligen Ausflugsgaststätte Fligges Garten
 über den Lycksee auf die Stadt (1)

1587 erhielt der Ort eine Provinzialschule, die später unter dem Namen Königliches Gymnasium zu Lyck firmierte. Seit 1669 hat Lyck das Stadtrecht und entwickelte sich zu einem kulturellen und wirtschaftlichen Zentrum der Region. Durch diese Mittelpunktfunktion erhielt die Stadt auch den Beinamen "heimliche Hauptstadt Masurens " (die Verwaltungshaupstadt war seit jeher Allenstein).  1868 erhielt Lyck einen Bahnanschluß aus Königsberg, welcher 1871 bis zur Grenzstadt Prostken erweitert wurde. Es folgten weitere Strecken nach Arys, nach Johannisburg und über Treuburg und Goldap nach Insterburg. Anfang des 20. Jahrhunderts kam noch eine schmalspurige Kleinbahn ins Lycker Hinterland dazu. Ein Streckenast führte nach Sawadden (Grenzwacht), ein anderer nach Thurowen (Auersberg). Lyck wurde damit ein bedeutender Eisenbahnknotenpunkt. Ein Umstand, der das weitere Wachstum der Stadt stark begünstigte.

 
Blick von der Seepromenade auf die Schloßinsel (1)


Erster Weltkrieg und Zwischenkriegszeit

Im Ersten Weltkrieg wurde die Stadt 1914 kurzzeitig von russischen Truppen besetzt, die bei Ihrem Einmarsch erhebliche Zerstörungen in Stadt und Umland verursachten. In der sogenannten Winterschlacht um Masuren wurden die Truppen des russischen Zaren wieder nach Osten abgedrängt. Nach dem ersten Weltkrieg sollte Masuren (und damit auch der Kreis Lyck) dem neu entstandenen polnischen Staat zugeschlagen werden. Man einigte sich auf eine Volksabstimmung über den zukünftigen territorialen Status. Mit 97,9% für den Verbleib in Ostpreußen und nur 2,1% für Polen fiel das Ergebnis im gesamten Abstimmungsgebiet sehr eindeutig aus. Auch in Lyck war das Ergebnis deutlich: Von den 40.440 Stimmberechtigten im Landkreis, nahmen 36.573 an der Wahl teil. Für Deutschland stimmten 36.529 Wahlberechtigte, für den Anschluß an Polen entschieden sich nur 44 Personen. Somit verblieb auch der Kreis Lyck bei Deutschland. Nach der Machtergreifung der Nationaloszialisten, wurden auch im Kreis Lyck viele historisch gewachsene Ortsnamen, meist altpreußischer oder masurischer Herkunft, durch deutsch klingende Namen ersetzt. In den meisten Fällen erfolgte die Umbenennung im Jahre 1938.


Renoviertes Bürgerhaus in der Innenstadt (1)

Zweiter Weltkrieg und Nachkriegszeit


Während des II. Weltkrieges blieben Stadt und Umland von den verheerenden Bombenangriffen verschont, da Ostpreußen  außerhalb der Reichweite allierter Bomber lag, doch Ende 1944 rückten sowjetische Truppen gegen die Grenzen Ostpreußens vor. Viel zu spät für eine organisierte Flucht, wurde am 21. Januar 1945 die Evakuierung der Stadt und des Kreises angeordnet. Die schwierige Flucht in den Kriegswirren und winterlicher Kälte und die Greuel der Sowjetsoldaten an den Zurückgebliebenen überlebte ein Fünftel der Kreisbevökerung nicht. Obwohl die Stadt bis zum Einmarsch der sowjetischen Einheiten unzerstört geblieben war, verheerten von den Sowjets nach deren Einmarsch vermutlich absichtlich gelegte Brände Teile der Stadt.


Das Wahrzeichen der Stadt (1)

Im April 1945 wurde die Stadt an Polen übergeben. Die neue polnische Verwaltung änderte alle Ortsnamen in polnisch klingende Namen um, und ließ sämtliche deutsche Inschriften und Schilder entfernen. Der Gebrauch der deutschen Sprache wurde untersagt. Eigentum deutscher Bürger konfisziert. Dies hatte zur Folge, das in den nachfolgenden Jahren, neben den bereits Geflohenen noch viele weitere Deutsche die Region verliessen, so daß in den 60er Jahren von ehemals etwa 53.000 Kreisbewohnern nur noch 731 Deutsche verblieben waren.

Die polnische Verwaltung siedelte in den immer leerer werdenden Gebieten ihre eigenen Vertriebenen an, die in der Mehrzahl aus den nun an Weissrussland und die Ukraine zurückgefallenen Ostgebieten Polens stammten. Doch selbst damit verharrte die im Vorkriegsvergleich nun immer noch fast menschenleere Region lange Zeit im Dornröschenschlaf. Selbst polnische Zeitungen der kommunistischen Zeit der 50er Jahre berichteten in drastischen Worten vom Verfall und mangelnder Entwicklung im östlichen Masuren. Doch das ist lange her und seit dem Ende des Kommunismus vorbei.

Die Stadt Ełk heute

Wer die Stadt heute besucht, erlebt eine pulsierende und moderne Stadt, die sogar nichts mehr mit der ländlichen Verschlafenheit früherer Jahre zeigt. Heute hat die Stadt bereits über 55.000 Einwohner. Eine Zahl, die sowohl aus Eingemeindungen (z.B. der Gemeinde Walden), wie auch aus Zuwächsen durch Neubürger aus umliegenden Dörfern resultiert. Überall wird gebaut, neue Siedlungen enstehen, es wird restauriert und renoviert. Supermärkte und Einkaufszentren entstanden. Doch in vielen Dörfern im weiteren Umland, wo spätestens seit dem Ende der 90er Jahre auch eine massive Landflucht einsetzte, scheint die Zeit stehen geblieben zu sein.

Bildnachweis:
(1) Manfred Podzkiewitz

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