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Genealogie - Historische Bezeichnungen


In Kirchenbüchern und sonstigen historischen Aufzeichnungen, finden sich vielfach heute nicht mehr vorkommende oder anders lautende Personen-, Berufs- und Amtsbezeichnungen, die sich aus dem einzelnen Begriff nicht so einfach erschließen lassen, wie dies etwa bei einem Radmacher oder Ziegler der Fall wäre. Nachfolgend werden diese erklärt.


Altsitzer


Als Altsitzer bezeichnete man einst einen in Ruhestand getretenen Bauern, nach der Übergabe des Hofes an seinen Sohn. Der Altsitzer behielt sich dabei in der Regel das sogenannte Einsitzrecht vor, sprich das Wohnrecht für sich und seine Frau auf Lebenszeit. Später wurde statt Altsitzer meist der Begriff Altbauer verwendet.


Armvögte -> siehe unter Vogt



Copulation


Aus dem Lateinischen stammend, bedeutet es soviel wie verbinden, zusammenfügen. Der Begriff wird heute fast ausschließlich für den Geschlechtsakt verwendet, in früheren Zeiten jedoch auch für eine Eheschließung, dies insbesondere, da der uneheliche Verkehr in früheren Zeiten als verboten oder wenigstens als verpönt galt. Ein Zeichen dafür sind die vielfach zu findenden getrennten Kirchenbücher für ehelich und unehelich geborene Kinder.


Darre


Die Darre findet sich bei den Todesursachen. Darre steht für die Tuberkulose.


Deflorata


Lateinisch für nicht mehr jungfräulich. Abgekürzt auch als Def., Defl. oder Deflor zu finden.


Denatus


Lateinisch für verstorben. Abgekürzt: den. oder dem. (demortuus)


Eigenkätner -> siehe unter Kätner



Filius/Filia


Veraltete, aus dem Lateinischen stammende, Bezeichnung für Sohn (Filius) bzw. Tochter (Filia)


Gesell / Geselle


Der Begriff Gesell bedeutet in seinem Ursprung, sich jemandem anzuschließen, bzw. einer Gemeinschaft beizutreten. Berufliche Gemeinschaften hießen früher Zünfte. In Kirchenbüchern finden wir den Gesellen in zweifacher Bedeutung. Einmal als Junggesell, hier haben wir es mit einem jungen Mann zu tun, der noch keinen Beruf erlernt hat und zudem noch unverehelicht ist, sowie mit der Jungfrau, hier eine junge Frau, die ebenfalls noch unverehelicht ist und noch keine Kinder geboren hat.  Hat der Mann bereits einen Beruf erlernt, so wird er meist entsprechend des erlernten Berufes benannt, z.B. als Maurergesell oder Schuhmachergesell. In den Zeiten, wo es für Frauen noch nicht üblich war einen eigenen Beruf zu ergreifen, wurden diese nach Beruf des Mannes tituliert. Dann konnte man lesen, "....die Schuhmachergesellenfrau Louisa Müller tat kund, daß ihr am 6. Dezember ein Kind geboren sei."


Hochmeister


Das Amt des Hochmeisters war das höchste Amt im Deutschen Orden, entsprechend dem eines kirchlichen Generalsuperiors. Nach der Säkularisation wurde der Hochmeister umgangssprachlich auch als Hoch- und Deutschmeister bezeichnet. Direkt unter ihm stand das Amt des Landmeisters, der bei Abwesenheit den Hochmeister vertreten durfte.


Instmann/Instfrau (auch Instmannsfrau)


Abgeleitet vom Wort Insasse (niederdeutsch: Inste) kam der Begriff Instmann v.a. in Norddeutschland bis nach Ostpreußen vor. Der Instmann war ein Landarbeiter auf einem Gut, der keinen eigenen Wohnraum besaß und deshalb zur Miete wohnte. Seine Wohnung wurde Insthaus genannt. Zum Gutsherren bestand ein für heutige Zeiten ungewöhnliches Dienstverhältnis. Sie waren nach Aufhebung der Leibeigenschaft in Deutschland keine Leibeigenen, jedoch vertraglich an den Gutsherren gebunden. Sie hatten ein Nutzungsrecht für eine eigene kleine Landwirtschaft oder eigene Viehaltung. Darauf beschäftigten die Instleute häufig noch Arbeitnehmer (Knechte). So kam es vor, daß ein Instmann sowohl Arbeitnehmer (beim Gutsherren) war als auch Arbeitgeber (den Knechten gegenüber) zugleich sein konnte.


Kätner/Kätnerin


Kätner waren Mieter oder Besitzer einer Kate, also eines kleinen Hauses am Ortsrand einer Siedlung oder am Rand eines größeren Hofes, mit meist eigener kleiner landwirtschaftlicher Nutzfläche, die vom Kätner bewirtschaftet wurde. Aufgrund der kleinen Wirtschaftsfläche mußten Sie meist noch einem weiteren Handwerk oder Arbeitstätigkeit nachgehen. Heute würde man Sie vermutlich als Nebenerwerbslandwirte bezeichnen.


Losmann/Losmannsfrau


Ein Losmann ist ein Pächter eines Stück Lands, welches er selbst mit Ackerbau, Waldwirtschaft oder Viehzucht bewirtschaftet. Die Zuteilung wurde in der Regel per Los erteilt. Der jeweilige Gutsherr konnte jedoch einem Losmann das Land jederzeit wieder abnehmen und an einen anderen Losmann vergeben. Ein Losmann hatte das Recht: "Das Gutt besitzen, und gebrauchen," aber auch Pflichten, nämlich "... dafuͤr den jehrlichen Zins, Zehenden, Schatz und Dienst verrichten und bezalen solle." Da das ausgegebene Stück Land meist nicht für das Auskommen einer Familie ausreichte, verdingten sich Losmänner meist noch als Tagelöhner, Handwerker oder Knechte.


Majoreinen/Majorenn


Während in Kirchenbüchern Jungvermählte üblicherweise als Junggesell oder Jungfrau (Jungfer) bezeichnet werden, so finden sich v.a. in katholischen Gegenden vielfach auch die Begriffe Majorenn oder Majoreinen. Dieser Begriff stammt aus dem Mittlelateinischen (hier: majorennis) und besagt schlicht, daß die besagte Person volljährig (veraltet: großjährig) und damit ehereif ist. War eine Person noch nicht ehereif, mußte ein Vormund (in der Regel der Vater) der Trauung zustimmen. Dazu sollte man wissen, daß die Volljährigkeit nicht wie heute mit 18 Jahren sondern regional und zeitlich verschieden, oft erst mit 21 bis 25 Jahren erreicht wurde.
 

Minoreinen / Minnoreinen / Minorenn


Bezeichung (aus dem Lateinischen stammend) für eine minderjährige Person. Diese benötigten eine Erlaubnis des Vormunds (i.d.R. der Eltern), um z.B. Heiraten zu können. (siehe auch unter  Majorenn)


Ortsarme


Dieser Begriff begegnet uns recht häufig in Kirchenbüchern und bezeichnet arme und mittelose Personen, die aber im Gegensatz zu umherziehenden Armen (den Landstreichern), fest in einem Ort lebten. Meist waren es alleinlebende Frauen, alte Menschen, arbeitsunfähige Personen (Invaliden) oder Behinderte. Da es noch keine staatlichen Sozialsysteme heutiger Prägung gab, waren diese Menschen auf Spenden (Almosen) angewiesen. Sie wohnten vielfach in sog. Armenhäusern, die entweder von der Kirche, vom Staat oder von weltlichen Spendern getragen wurden.


Proklamation / Proklamieren


Dieser aus dem Lateinischen stammende Begriff zeigt eine öffentliche Ankündigung an, kann aber auch gleichwohl eine eidesstattliche Versicherung bedeuten. In Kirchenbüchern findet man die Proklamation sowohl als Ankündigung z.B. für die Schließung einer Ehe oder als Aussage, daß eine nicht durch Papiere oder sonstige Kenntnis belegbare Aussage der Wahrheit entspricht. Dies kann z.B. bei einem Zugezogenen die Aussage sein, daß er bisher unverehelicht war, bis hin zur Anerkennung der Vaterschaft für ein Kind.


Schweizer


Bei dieser Bezeichnung handelt sich nicht unbedingt um die Herkunft einer Person sondern meist um eine Berufsbezeichnung, die nach Schweizer Art und Weise ausgeübt  wurde.  So wurden Viehzüchter und Molkereiarbeiter, welche die Milchwirtschaft nach Schweizer Art betrieben, ebenso als Schweizer bezeichnet, wie  auch Schutz- und Wachleute, die  in Fürstenhöfen oder bei sonstigen hochgestellten Personen diese Dienste wahrnahmen.  Noch heute haben wir mit der berühmten Schweizer Garde im Vatikan ein solches Beispiel für den Schutz- und Wachdienst nach Schweizer Art.


Sponsus/Sponsa


Alte, aus dem Lateinischen stammende, Bezeichnung für Braut (Sponsa) und den Bräutigam (Sponsus)


Todesursachen und Krankheiten


Afel/Afeln = Wundentzündung
Auszehrung = Hunger und (Alters-) Schwäche
Cachexia = Tuberkulose
Dampf = Asthma
Darre = Tuberkulose (lath. auch Tabes oder Tabituda)
Debilitas = Schwäche
Decrepita = Altersschwäche (auch als Involutio senilis vorkommend)
Febris = Fieber
Kaat = offene Geschwüre
Misere = tödliche Erkrankung ohne genauere Deklaration
Pestilenz = Pest bzw. sonstige Seuche
Scabea/Scabies = Krätze/Ausschlag
Trumsel = Schwindel, Ohnmacht
Ulcus = Geschwüre


Vogt


Der Vogt (vom althochdeutschen Fogat, lateinisch Praefectus), war ein beamteter Beauftragter der Staatsführung. Ihm oblagen die Gerichtsbarkeit, die allgemeine Verwaltung, in Klerikalstaaten ebenso die Landesverteidigung, sowie diverse Sonderaufgaben. Sein Amtssitz und die ihm zur Verwaltung übetragene territoriale Einheit wurde als Vogtei bezeichnet. Je nach Aufgabengebiet wurde der Vogt auch als Waldvogt, Deichvogt, Alpvogt oder Burgvogt bezeichnet. In Ostpreußen gab es auch die Armvögte oder den Armenvogt. Seine Aufgabe bestand in der Betreuung der Armen- und Siechenhäuser. Die Armvögte waren auch zuständig für die Organisation der Bestattung mittelloser Menschen, die sich kein Begräbnis leisten konnten.


Zinshaus


Ein veralteter Begriff für ein Mietshaus.


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