Die Kirche in Kallinowen

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Wer nach Kallinowen (1938-45 Dreimühlen, heute Kalinowo) im ostmasurischen Kreis Lyck kommt, dem fällt in der Ortsmitte sofort eine Kirche auf, die in ihrer Bauweise aus masurischem Granit auf den ersten Blick den Eindruck einer mittelalterlichen Burg erweckt.

Man könnte meinen der Kirchenbau stehe schon seit Jahrhunderten wie eine Trutzburg im Orte. Doch ist diese Kirche relativ jungen Datums und wurde erst in den Jahren 1924-26 von dem Architekten und Kirchenbaumeister Arthur Kickton errichtet. Der Innenraum besteht auch heute noch aus einem Haupt- und einem südlichen Nebenschiff mit Empore. Der Altarraum ist überwölbt. Den Mittelpunkt bildet eine Empore auf der eine imposante Orgel steht. Die Decken sind mit Kreuzverzierungen und Malereien ausgestaltet. Bis 1945 diente sie der evangelischen Gemeinde des Kirchspiels Dreimühlen als Gotteshaus. 1946 wurde sie katholisch umgewidmet und trägt heute den Namen Mariä-Himmelfahrt-Kirche.


Neue Kirche von Kallinowen (2)

Vorher stand dort eine Holzkirche.  Sie war ein Nachfolgebau einer seit mindestens 1499 bestehenden Kirchengemeinde, deren Vorgängerkirche 1656 bei einem Tatareneinfall zerstört wurde. 1666 wurde sie eingeweiht. Doch mittlerweile ein wenig in die Jahre gekommen, sollte sie Anfangs des 20.Jahrhunderts begutachtet und renoviert werden.


Alte Kirche von Kallinowen (1)

Von seinem Besuch im Jahre 1908 schreibt der preußische Provinzialkonservator Dethlefsen: „Auf Wunsch der Gemeinde wurde am 17. November ein Besuch der evangelischen Pfarrkirche zu Kallinowen vorgenommen, um festzustellen, ob die Ausmalung der Erneuerung wert sei.“ Anwesend waren Pfarrer Korella und der Maler Olbers. Der Konservator zeigt sich begeistert von der Kirche, als er niederschrieb:
„Kallinowen ist eine der größten von den wenigen noch im Lande erhaltenen Holzkirchen, liegt schön inmitten des großen Dorfes und ist ein wohlerhaltenes Baudenkmal von besonderem Interesse.“ Kurzum, die Kirche  sollte daraufhin renoviert werden und für die gesamten Arbeiten an Fresken, Wänden und Decken beauftragte man, trotz diverser Einsprüche, den Maler Steinhöfel aus Danzig. Doch kam es im Zuge der Restaurierung zu erheblichen Turbulenzen.

Denn nach Ende der Arbeiten  im Jahre 1910, war mal seitens der Provinz überhaupt nicht zufrieden mit den Arbeiten Steinhöfels. Dessen Werk wurde als „wenig befriedigend“ angesehen. Doch nicht nur das, so sei überdies die Kirche „mit neuen Fenstern ausgestattet worden, die ebenfalls gar nicht zu dem alten Charakter des Gebäudes passen.“ Der Landeshauptmann verweigerte daher die Auszahlung der Mittel.

Auch Schmidt, der Konservator Westpreußens, zeigte sich entsetzt, als er Dethlefsen schrieb: „Auch das „jüngste Gericht“, dass er (gemeint war Steinhöfel) „schenkte“, sei „ganz fürchterlich.“ Steinhöfel rechtfertigte sich in einem deutlichen Brief an den Konservator, berichtete von den zahlreichen Schwierigkeiten aufgrund vorher unentdeckter Mängel an der Substanz und bezeichnete dessen Schreiben als „für mich beleidigend.“

Wie man sieht, gab auch schon vor über 100 Jahren Unstimmigkeiten bei der Bausausführung. Die alte Holzkirche von Kallinowen wurde keine 4 Jahre später, beim Einmarsch russischer Truppen am Anfang des 1. Weltkrieges, durch einen Brand vollkommen zerstört, womit sich auch die damaligen Streitereien um die Restauration für immer erledigt haben. Eines ist jedoch sicher; die neue Kirche, die seit 1926 dort steht, die kann man durchaus als ein ganz besonderes Schmuckstück bezeichnen.

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Zitate:
Schriftverkehr des ostpreußischen Landeskonservators, Staatsarchiv Allenstein, gemeinfrei

Bildnachweise:

(1) Staatsarchiv Allenstein, gemeinfrei
(2) Adam Kliczek, Lizenz: CC BY-SA 3.0