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Ostpreußen - Die Eisenbahn in Lyck


Im Jahre 1868 kam die Eisenbahn nach Lyck, nachdem der Abschnitt von Rastenburg nach Lyck, als Teilstück der Ostpreußischen Südbahn, fertiggestellt war. Eine Verlängerung nach Prostken zur damaligen Reichsgrenze erfolgte nur drei Jahre später. Im damals russischen Polen wurde der Anschluß bis Bialystok und weiter nach Brest gebaut. Die Stadt Lyck war nun an den internationalen Eisenbahnfernverkehr angeschlossen.


Eisenbahn in Ostpreußen 1930, Reichsbahnstrecken in rot (1)

Weitere Bahnlinien folgten. Eine Linie von Insterburg über Treuburg (Marggrabowa), hier war Eröffnung 1879, die Bahn von Johannisburg über Gehlenburg (Bialla), welche am 16. November 1885 bis Lyck in Betrieb ging, sowie die Bahnstrecke nach Rothfließ über  Arys (Orzysz) und Sensburg. Lyck wurde damit zu einem bedeutenden Eisenbahnknotenpunkt. Hinzu kam dann noch die meterspurige Schienenstrecke der Lycker Kleinbahn Aktiengesellschaft, mit der wir uns nachfolgend etwas näher beschäftigen werden.



Lokschuppen im Lycker Bahnhof

Die Drehscheibe


Die Lycker Kleinbahn


Die Strecke der ehemaligen Lycker Kleinbahn Aktiengesellschaft, einer schmalspurigen Privatbahn, führt von Lyck über Klein-Lasken und teilt sich dort nach nach Grenzwacht (Sawadden) und Auersberg (Turowen). Heute ist nur noch eine Teilstrecke als Touristikbahn in Betrieb. Die Bahn kam nach dem 1. Weltkrieg in den Besitz der Ostpreußischen Kleinbahnen AG, die Anteilseigner waren der Preußische Staat, die Provinz Ostpreußen, verschiedene Städte und Landkreise sowie die  Aktiengesellschaft für Verkehrswesen (AGV).

Die Streckenabschnitte Lyck -> Klein-Lasken -> Sawadden und Klein-Lasken -> Borschimmen wurden 1913 in Betrieb genommen. Die damalige Spurbreite betrug 1000 Milimeter. Der Weiterbau zu den Endpunkten Sawadden und Turowen verzögerte sich durch den Ersten Weltkrieg und die Besetzung des Kreisgebietes im Jahre 1914 durch die Truppen des russischen Zaren.

Nachdem im Zuge der sog. Winterschlacht um Masuren das Gebiet zurückerobert wurde und die Kriegsschäden beseitigt waren, konnte am 5. Oktober 1918 dann endlich die Gesamtstrecke bis Turowen in Betrieb genommen werden. Beide Endpunkte lagen nur knapp von der damaligen deutsch-polnischen Grenze entfernt. Die Gesamtstrecke Lyck -> Turowen (Auersberg) beträgt 37,8 km, der Abzweig Klein-Lasken -> Sawadden (Grenzwacht) 9,7 km. Neben dem Personenverkehr, wurde die Bahn auch für den Güterverkehr genutzt. Bei Betriebsstart hatte die Bahn 4 Dampf-Lokomotiven, 8 Personenwagen, 2 Post- und Gepäckwagen sowie 36 Güterwagen in ihrem Bestand. Mit kaum veränderten zahlenmäßigen Bestand wurde der Betrieb bis Ende 1944 durchgeführt.



Die Kleinbahn in Sypittken

Im Kleinbahnbahnhof


Durch die Inbesitznahme dieses Teils Ostpreußens durch Polen im Jahre 1945, wechselte auch die Bahn den Besitzer. Sie wurde wurde den polnischen Staatsbahnen zugeschlagen. Durch den Wegfall der Grenze begann man 1948 mit Überlegungen die Bahn weiter nach Augustow zu führen. Ein Vorhaben, dass jedoch nie über das Projektstadium hinauskam. 1950-1952 wurde die Strecke auf 750 mm umgespurt. Den Betrieb stellten Lokomotiven der PKP-Baureihe Px48 sicher, die später von Lyd1-Dieselloks abgelöst wurden. In den 1990er Jahren erhielt die Bahn für den Personenverkehr in Rumänien entwickelte Triebwagen der Baureihe MBxd2.

Auf der Lycker Kleinbahn ist der reguläre Personenverkehr seit Juni 2001 eingestellt, nachdem zuletzt nur noch ein Zugpaar zwischen Lyck und Grenzwacht (Zawady-Tworky) verkehrte, bzw ein Zugpaar von Lyck nach Dreimühlen (Kallinowo). Der Abschnitt Dreimühlen - Auersberg war bereits seit 1998 wegen einer maroden Brücke gesperrt. Die komplette Stillegung der seit 1992 unter Denkmalschutz stehenden Bahn war von der Staatsbahn PKP für September 2002 vorgesehen. Eine Abschiedsfahrt fand am 17. September 2002 statt.



Die Kleinbahn als Touristikbahn


Die Stadt Elk (hier das Kultur- und Sportzentrum MOSIR) betreibt die Bahn seitdem als Touristikbahn weiter. Befahren werden die Streckenäste vom Lycker Kleinbahnhof (Elk Wask.) bis Sypittken (Sypitki) und Grenzwacht (Zawady-Tworky). Am Kleinbahnhof bietet ein kleines Museum einen interessanten Einblick in die Geschichte der Bahn. Das heute alles so wunderbar erhalten ist, verdankt man dem Engagement der Gebrüder Sawczynski, die u.a. auch das Museum eingerichtet haben und Besucher durch die Bahnanlagen führen.

Bildnachweis:
(1) Kursbuch der Deutschen Reichsbahn 1930

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© Autor: Manfred Podzkiewitz, alle Rechte vorbehalten