Titelbild - Manfred Podzkiewitz

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Die Eisenbahn im Kreis Lyck und die Lycker Kleinbahn

 
Ostpreußen - Weihnachten im Sommer


Wir waren gerade am Skomanter See vorbeigefahren. Dort sollen sich noch Funde aus der Zeit unserer altpreussischen Vorfahren befinden, Wälle und Gräber und eben hier soll vor über 700 Jahren eine der letzten Schlachten zwischen den Sudauern und den Rittern des Deutschen Ordens stattgefunden haben.  Auch einen Silberschatz aus dem 12./13. Jahrhundert hat man hier gefunden. Überall in diesem Land streift der Hauch der Geschichte durch. Man kann sich ihm nirgendwo entziehen.

Mitten im Ort, den wir gerade durchfuhren, machte die Straße einen großen Knick. Wo waren wir jetzt eigentlich? Ich hatte das Ortsschild übersehen, nicht darauf geachtet. Aber diese burgähnliche Anlage linker Hand fiel mir auf. So verliessen wir die Straße und stellten das Auto vor eine Gaststätte. Diese war geöffnet und so nutzten wir die Gelegenheit, um einen Kaffee zu trinken. Da man uns ansah, das wir Fremde waren, bekamen wir statt eines unfiltrierten polnischen Kaffees die gefilterte westeuropäische Variante. Wir genossen den Kaffee auf einer Aussenterasse mit direktem Blick auf diese merkwürdige "Burg".

Doch von dieser Seite sah das Gebäude schon etwas anders aus. Eine Burg kann es nicht sein, dachte ich mir. Auch das "drumherum" wirkte eher wie eine Kirche. Aber so eine Kirche, die hatte ich noch nie gesehen.

Ich holte die Landkarte hervor, um nachzusehen, wo wir uns eigentlich befinden? Wir waren in Kalinowo gelandet. Die Karte nannte mir auch noch die beiden anderen Namen dieses Ortes aus deutscher Zeit, Dreimühlen und Kallinowen. Aber die Karte zeigte kein Burgensymbol, nur den Namen und ein Kirchensymbol. Also mußte es eine Kirche sein, wenn auch die Merkwürdigste, die ich je gesehen habe.

Wir bezahlten unseren Kaffee und gingen hinüber zur Kirche. Sie machte auf uns einen uralten Eindruck, doch als wir auf der Aussenmauer die Jahreszahl 1910 entdeckten, verwirrte uns dies noch mehr. Wir gingen weiter um die Kirche herum. Leider war sie verschlossen und auch nirgendwo war eine Tafel zu entdecken, die weitere Informationen über das Gebäude preisgab.

Schade, dachte ich und wollte eigentlich schon wieder zum Auto gehen, als mein Blick weit nach oben auf die Kirchenfenster wanderte. Dort stand doch etwas geschrieben. "Frau Elisa...." und "geborene" stand dort am linken Rand sowie "Weihnachten" am rechten Rand zu lesen. Man hatte diese Stücke dort eingelassen, wahrscheinlich um ein Loch im Bleiglasfenster abzudichten.


Inschrift an der Kirche zu Kallinowen (1)

Es war zwar gerade Sommer, die Sonne schien, der Himmel war blau, aber "Weihnachten" dieser Inschriftentext fasznierte mich. Ich versuchte, den darunter liegenden Text, so wie es aussah - ein Datum - zu entziffern. Doch versank die Schrift zu tief in Mauerwerk und Mörtel.

Wie mag dieses Weihnachten ausgesehen haben? Ich kam ins sinnieren und hatte plötzlich eine bildliche Vorstellung von einem Weihnachtsfest in dieser Kirche vor meinen Augen. Ich sah den Pastor an der Kanzel stehen, würdevoll. Eine hölzerne Krippe erleuchtet vom Kerzenschein. Die Kirche bis auf den letzten Platz besetzt, von Menschen in Sonntagstracht, hier um das Weihnachtsfest zu feiern. Ein Weihnachten in Ostpreussen, wie mag es wohl wirklich ausgesehen haben?

Doch so schnell wie dieses Bild auftauchte, so schnell war es schon wieder vorbeigezogen. Und so stand ich vor der Kirche von Kallinowen und war schnell wieder im 21. Jahrhundert angekommen. Doch dieses Wort - "Weihnachten", mußte ich unbedingt noch fotografieren. Und seit dieser Zeit muß ich jedesmal wenn ich das Wort "Weihnachten" höre, an die Kirche von Kallinowen und ihre Inschrift denken.

Mehr Kallinowen hier.

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Bildnachweise:
(1) Manfred Podzkiewitz